Dienstag, 2. Juni 2015

[Lissabon] Another day in Paradies...









... wie man es nimmt. Was des einen Paradies' ist des anderen Hölle. Wobei Hölle trifft es so per se ja auch nicht, sonst wäre ich schon wieder auf auf und ab in die Heimat. Es läuft halt nicht immer alles so wie es soll und wie man es sich vorstellt. Und dann kommt ja noch hinzu, dass ich zwischen Bewerbung und Zusage 1 Woche hatte und zwischen Bewerung und Abreise ebenfalls nur 1 Woche. In dieser kurzen Zeit, nach einer so langen Dürreperiode, ist die Euphorie groß und man nimmt das Angebot nur all zu gern an. Zweifel nagen erst hinterher an einem und die Bedenken, ob man alles richtig gemacht hat, ob es nicht doch ein Fehler war. Wir Menschen sind halt so. Und wie ich oft zu hören bekomme in letzter Zeit gehöre ich aktuell eh eher zu den Menschen die erst mal alles negativ sehen. Ich denke jetzt einfach an meine Arbeitskollgen, die wie ich im April hier angefangen haben, und bei denen ich vom 1. Moment an das Gefühl bekommen habe, dass sie hinter mir stehen, und ich jederzeit um Hilfe bitten kann. Danke an diese Menschen, dass ihr mir mit Wort und Taten so gute Unterstützung habt zukommen lassen. Ich hab nicht die leiseste Ahnung wie ich diese Schuld begleichen soll.

Und wenn ich mich auch noch etwas unwohl und fehl am Platze fühle was die Arbeit betrifft so genieße ich, oder ich versuche es zumindest, die kleinen Wunder denen man hier begegnet. Für mich ist es so unverständlich, warum ich nicht schon früher darauf gekommen bin. Warum muss ich erst fast 3.000 km von zu Hause entfernt sein um zu registrieren, dass das Glück in den kleinen Dingen liegt? Ist man zu Hause zu "eingefahren"? Rennt man zu Hause nur noch mit Scheuklappen rum? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mich hier über Kleinigkeiten "freuen" kann. So auch am vergangenen Dienstag, als ich mich auf den Weg gemacht habe einen bestimmten Wollladen zu suchen. Nach erfolgreicher Suche hab ich es mir auf einer Bank bequem gemacht um via Handy die Umgebung zu erkunden und zu schauen, was ich noch anstellen könnte. Ich saß da also auf dieser Bank und hatte mir schon einen Plan zurecht gelegt als sich eine ältere Frau neben mich setzte. Wir kamen ins Gespräch, über was genau wir uns unterhielten weiß ich nicht mehr. Ich fragte nach dem Weg zu einer U-Bahn-Station. Wir unterhielten uns darüber, dass es so unangenehm heiß sei. Okay, okay, ihr habt mich erwischt. Während ich hier vor dem Bildschirm sitze bewegen sich meine Finger wie von selbst über die Tastatur und geben wider was am Dienstag geschehen ist. Dies wird
ein langer Text, oder auch nicht. Je nachdem was ihr unter lang versteht. Immerhin bestehen die Lissabonbeiträge nun nicht mehr nur aus Bildern. ;) Okay, back to the roads. Ich saß da also auf der Bank mit dieser Frau. Ich habe keine Ahnung wie lang wir uns unterhalten haben, und wie wir es überhaupt geschaft haben uns zu unterhalten. Dass ich nur Deutsch und Englisch kann wisst ihr ja. Diese Frau mit ihren 85 Jahren redete meist in Portugiesisch und Schwedisch. Oftmals übersetzte ich dann zufällig die Worte ins Englische. Aber es hatte funktioniert. Und was ich so alles erfahren habe... Diese Begegnungen freuen mich. Rufen mir aber all zu deutlich in Erinnerung, dass es solche Momente in Deutschland nie gegeben hatte. Vielleicht liegt es an der Mentalität der Südländer, die sehr schnell Besitz von einem ergreift. Eine Mentalität die nicht auf Hektik ausgerichtet ist, die trotz allem Trubel in der großen Stadt noch Zeit und Pausen für die Ruhe und Gemächlichkeit lässt, die einem Inseln der Entspannung auf den Weg gibt. Die einen dazu verleitet sich einfach mal treiben zu lassen.

Für mich ist Lissabon ein großer Fluss, und ich nur ein kleiner Regentropfen, der ganz dem Willen des Flusses ausgeliefert ist. Ist der Fluss ruhig bin ich es auch, ist der Fluss wild, treibt es mich umher, ohne dass ich Einfluss darauf nehmen kann. Und dennoch ist es eine Ruhe und Gelassenheit, die ich so nicht kenne, die einem dennoch irgendwie gut tut. So sehr ich mir also manchmal wünsche zurück in die Bekannte Monotonie des deutschen Alltags zu gehen, so sehr genieße ich das Gesicht Lissabons, die pulsierenden Adern, die Gegensätze geballt in einer Stadt, wie ich sie nie zu vor so deutlich wahr genommen habe. Ich merke jetzt schon, wie diese Stadt nach mir greift, gegriffen hat, mich in ihren Bann ziehen will, wie ich kraftlos bin mich dagegen zu wehren. Ich mich auch gar nicht dagegen wehren möchte. Lissabon eine Oase der Ruhe und Gemütlichkeit in der das Leben pulsiert, hier steht nichts still, auch wenn man das Gefühl haben mag. Ich werde gehen - irgendwann, doch dann bin ich nicht mehr die die ich war.









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