Samstag, 21. Februar 2015

[Aktion] Protagonisten erzählen #2 heute mit Fearghas



Fearghas erzählt



Man sagt leichthin, dies sei ein Anfang und jenes das Ende. Man glaubt genau zu wissen, an welchem Punkt man steht und dass man noch nie zuvor dort gewesen sei. Doch ist es wirklich so? 
 

 

Ich bin Fearghas. Der Soldat der Hagedornkönigin. Die Ein-Mann-Armee aus Magiyamusa, dem Teil der Anderwelt, dem ich entstamme. Und auch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn ich bin, ich war, ich werde sein – viel mehr als nur das. 







Magiyamusa ist meine Heimat. Dieser Wald, in dem der Heilige Hagedorn den Mittelpunkt bildet, beherbergt sehr viele verschiedene Völker. Da gibt es die Elben (zu denen ich gehöre), die Feen, die Trolle und Zwerge, Kobolde – und das sind auch nur Oberbegriffe, jede Art teilt sich noch in Unterarten auf. Es gibt auch viele Wesen, die ihr, die ihr euch Menschen nennt, als „Tiere“ bezeichnen würdet. Für uns aber sind sie Brüder und Schwestern. Den höchsten Rang bekleiden alte Wulliwusche. Wir haben auch unsere eigenen Götter und Halbgötter. Danu und Dagda sind die obersten Götter in der Anderwelt, jedenfalls im keltischen Teil der Anderwelt. Jeder irdische Kontinent hat seine eigene Anderwelt! Mit ganz eigenen Wesen: einfache, und die, die sich Götter oder Dämonen nennen.


Der Hagedorn, dieser heilige Baum seit Urzeiten, trägt Blüte, Frucht und Samen zugleich. Er ist der Lebensspender unserer Welt und auch die Wiege, das Haus und das Grab der dreigestaltigen Hagedornkönigin. Sie war, ist und wird sein, meine Herrin. Ihr Menschen werdet es vielleicht nicht von euren Herrschern kennen, aber SIE, die Unvergleichliche, ist Kind, Frau und Alte zugleich. Ihr Erscheinungsbild ändert sich mal fließend, mal abrupt. Wenn die Goldene Frucht des Baumes fällt, ist der Hagedorn die Wiege der Königin. Ihre Zauberin hegt und pflegt sie, bis sie laufen kann. Dann ist sie das königliche Kind. Wild, stürmisch, überbordend vor Lebensfreude. Der Wald erfrischt seine Energie, denn sie IST der Wald von Magiyamusa. Doch ist dies auch eine gefährliche, anstrengende Zeit für die Völker. Sie ist in dieser Phase neugierig, egoistisch, spontan und rücksichtslos. Sie will Spaß? Sie holt sich ihren Spaß! Auch wenn dies Leid für andere bedeutet. Insbesondere die Menschen, die unglückseligen, die durch ein unsichtbares Tor in die Anderwelt fielen und nun hier umherirren, werden oft zum Ziel ihres Spottes. Wenn dann die Zeit der Kriegerin anbricht, dann ist die Königin von strahlender Kraft und Stärke, niemand würde es wagen, sich ihr zu widersetzen. Kein Dämon würde in dieser Phase in den Wald eindringen, kein Dunkel-Elf der Unseelies würde seine hässliche Fratze zeigen. Doch ist dies genau die Zeit, in der die Schatten unserer Welt in eure Welt eindringen und arme Wanderer quälen, entführen und Neugeborene zu Wechselbälgern machen. Unsere Königin ist dann kampflustig, doch weil es unter ihrer Würde ist, die Existenz der Unseelies und der dämonischen Kreaturen anzuerkennen, muss ich herhalten als Gegenpart, an dem sie ihre Kraft erproben kann. Doch auch diese Phase endet irgendwann und mit etwas Glück bevor ich mein letztes Quäntchen Kraft und Lebensfreude verloren habe. Wenn sie schließlich zur Alten wird, ruhiger, weiser, aber auch nörgelig und garstig, dann lässt sie sich von der Riesenfledermaus über den Wald fliegen. Meistens ist dies eine Zeit der Ruhe für uns Magiyamusaner. Wenn sie schließlich selber ihre Kraft verliert und sich erneuern muss, kehrt sie zum Heiligen Hagedorn zurück und lehnt sich an den Stamm des Baumes. Ihre faltige Haut wird dann borkig und braun, letztlich sinkt sie in den Hagedorn hinein und verschwindet. Bis dann -irgendwann- eine neue Goldene Frucht vom Baum fällt und der Zyklus von vorn beginnt. 
 

Endurion der Stille, der der Urheber der Chronik der Weisen von Magiyamusa ist, hat einmal gesagt: Zuweilen geschieht es, dass ein seltenes Ereignis sich wiederholt, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz. Wie die Medaille zwei Seiten hat, und der Spiegel eine Fläche, die den Betrachter gleichzeitig zum Betrachteten macht, so haben auch Welt und Anderwelt ihre Geheimnisse und Bestimmungen. Und ihre Wege neben den Wegen. Der Reisende meint, den ersten Schritt zu tun, und doch ist er, unwissentlich, schon weit über das Ziel hinausgeschossen.


Mein Weg, meine Reise, begann, als ich durch das Portal ging, welches ich mit dem Amulett der Hagedorn-Zauberin öffnete. Ihr müsst wissen, wenn wir die Ebenen wechseln, also von der Anderwelt in eure Welt gehen, also auf die Erde kommen, dann wechseln die, die hier in Magiyamusa eine menschenähnliche Gestalt haben, ihr Äußeres in ein Tier. Ich zum Beispiel wandele mich zu einem roten, feuerspeienden Drachen. Das Element Feuer, dem ich dem Geist und Blut nach angehöre (mein Blut ist übrigens von grüner Farbe!), spiegelt sich auch in meiner rotgoldenen Uniform wider, die ich im magiyamusanischen Wald trage. Komme ich zur Erde mit einem Auftrag, so habe ich rotgoldene Drachenschuppen. Recht kleidsam und praktisch, wenn ihr mich fragt. Im Lauf der Jahrhunderte, eurer Zeitrechnung nach, habe ich den Drachenkörper minimiert. Zuletzt war er nicht viel größer als der einer Ratte. Das ist weniger auffällig, als wäre ich haushoch und furchterregend. Mein letzter Auftrag lautete: Finde meinen Lieblings-Schwan, den Geatadoran bös- und mutwillig aus meinem königlichen Schlossteich stahl und zur Erde brachte.


Und so kam es, dass ich zum ersten Mal Celia begegnete. Celia ist der Mensch, der mich den Wert der Freundschaft und auch der Gastfreundschaft lehrte. Damals war sie ein kleines Mädchen nur, ein Waisenkind obendrein. Aber mutiger als alle Waldtrolle zusammen! Ich bekomme heute noch eine, wie sagt ihr Menschen? Gänsehaut? Ja, ich bekomme einen wohligen Schauer, wenn ich nur an dieses Kind denke. Sie hat es als erste und einzige gewagt, der Hagedornkönigin zu widersprechen. Und sie überlistete mit ihrer Intelligenz und dem kindlich-reinen Herzen unsere Herrscherin und rettete so ihre eigenen Eltern, die sie in der Anderwelt wiederfand. Ich darf sagen, dass ich daran nicht gänzlich unbeteiligt war. Es war mein erster Schritt auf meiner Reise zu einem selbstbestimmten Lebewesen. Ja, das ist Celias erstes Geschenk an mich gewesen. Ihr zweites Geschenk machte sie mir, als ich, durch Raum und Zeit geschleudert, auf die finster-kalte Erde fiel, mitten in ein Lagerfeuer hinein. Meine erste irdische Erfahrung in einem menschenähnlichen Körper war die, dass mein Anblick Menschen ängstigt. Sie warfen mit Steinen nach mir. Dabei war ich selber angsterfüllt. Denn – das hätte so nicht passieren dürfen, ich hätte ein Drache sein müssen. Aber der Wandel war vergiftet durch den Wahnsinn der Königin. Ja, ich muss es so sagen. Das Land, die Königin, das Volk … alles verdarb im Lauf der Zeiten, durch die enge Verquickung mit der Erd-Ebene. Die Menschheit ist auf einem unguten Weg. Sie vergiftet Wasser, Luft und Erde, sie raubt und plündert ihre Mutter, den Planeten. Gaia, der gute Erdmutter-Geist, leidet unsäglich. Und all dies wirkte sich auch auf die Anderwelt aus. Midir, der Halbgott, der zwischen den Welten wandert, erkannte dies. Aber zu spät.


Doch ich komme davon ab, was ich von Celia erzählen wollte. Sie gab mir das Geschenk der Gastfreundschaft. Ich betrat verängstigt, schmutzig und stinkend ihr Wirtshaus „Zum Weißen Schwan“ in Glasgow. Denn der Raum-Zeit-Riss schleuderte mich in die Highlands von Schottland. Das Band, das das Kind Celia und mich verbunden hatte, dauerte an und führte mich zu der alten Frau, die Celia inzwischen geworden war. Ich erkannte sie sofort wieder. Und sie mich auch. Sie rettete mir das Leben. Verbarg mich und meine Andersartigkeit vor den anderen Menschen. Meine Haare waren damals lang und tiefblau, meine Ohren elbenspitz. Und ich nieste Feuer! Und zu allem Überfluss war ich, meiner inneren Natur nach, feuerfest. Was schwerlich als menschliche Eigenschaft durchgeht.


Doch wisst ihr, was das Schönste und Beste war? Robena! Mein Herz glühte vor lauter Liebe zu diesem Menschenmädchen. Endlich, endlich fand ich bei ihr, was ich als Elb verbotenerweise mir ersehnte: Liebe. Echte, selbstlose Liebe und Mitgefühl. Celia liebte ich auch, und sie auch mich – aber mit Robena war es ganz was anderes. Da war die Liebe nicht auf die Seele beschränkt, sie schloss auch ihren Körper mit ein. Liebe auf Menschenart ist so ganz anders als Liebe machen auf elbische Art!


Mein Weg war ein Weg mit Umwegen. Nicht lange währte unser Glück. Ich verlor erst meine Gestalt, dann mich selbst, schließlich sogar meine Berechtigung als Elb unter Elben wieder heimzukehren, als mich die Bewohner von Glasgow mich unbarmherzig durch Wald und Moor jagten – denn sie hielten mich für den Teufel!


Nun, wollt ihr wissen, wie es mir weiterhin erging, und ob ich Robena für immer verloren hatte, dann lest meine Geschichte. Die Menschenfrau Marlies Lüer hat sie aufgeschrieben. Sie nannte das Buch „Midirs Sohn“ – denn das bin ich! Und sie hat die Geschichte auch fortgeschrieben. Denn mein Lebensweg eröffnete weiteren Wesen ihre Lebensbahn. Meine Erbinnen, die Erdsängerinnen, haben ihr eigenes Buch bekommen und ich weiß, dass es noch ein drittes geben soll, so Gott will. Denn der Anfang ist auch das Ende – denn letztlich ist alles ein Kreis! 
 

Jedes Mal, wenn ein Buch aufgeschlagen und gelesen wird, beginnt meine Reise von vorn. Ich bin, ich war, ich werde sein – Fearghas, der Soldat der Hagedorn-Königin.


Wenn Euch die Erzählungen von Fearghas nun gefallen haben, gibt es hier noch die nötigen Kaufinformationen zum Buch:

Hier kommt ihr auf die Fanseite von Fearghas

Hier kommt ihr zur Amazon-Seite





Das Copyright der hier vorgestellten Charakter- und Coverbilder bleibt bei Marlies Lüer.

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für die Veröffentlichung, liebe Rea!

    Vielleicht darf ich noch hinzufügen, dass Band 2 "Erdsängerin" heißt und Band 3 (Arbeitstitel "Schwertgeist") in Arbeit ist und voraussichtlich im Juni 2015 erscheinen wird.

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