Samstag, 11. Oktober 2014

[Aktion] Autoren erzählen ... ... heute mit Sabina S. Schneider





Zur Autorin:


C by Sabine Schneider
In Kirgisien geboren und in Deutschland aufgewachsen, studiert Sabina S. Schneider an der Universität Heidelberg Japanologie, Ostasiatische Kunstgeschichte und Slavistik. Sie lebt zwei Jahre in Japan. Schon immer hegt sie großes Interesse für das Mystische und macht es zu einem Teil ihres Lebens. Mit der Reihe „VON DEN GÖTTERN VERLASSEN“ startet sie 2013 ihr Debüt als Autorin und erschafft eine eigene Welt, die mit der Realität der Zukunft verbunden ist. In ihrer neuen Reihe „DIE VERGESSENEN“ verschmelzen Wirklichkeit und Mystik ineinander und eine neue Dimension wird geboren. Den mythologischen Faden greift sie wieder in ihrem Projekt „ENZYKLOPÄDIE DER JAPANISCHEN DÄMONEN“ auf und verarbeitet alten Volksglauben in Kurzgeschichten voller Liebe, Angst, Horror und Leidenschaft.



Die Autorin über sich:


Magisch ist für mich das, was anders ist, neu. Bei manchen ruft es Angst hervor, bei mir Neugier. In einer Zwischenwelt zu leben, kann einsam sein. Es gibt Momente, in denen man sich unvollkommen fühlt. „Wie, das weißt du nicht?“ – „Du kennst das nicht?“ - Fragen, die in den Ohren klingeln, die Muskeln spannen sich an, wenn das Bewusstsein einen niederschlägt: man gehört nicht dazu, ist anders. „Nur nicht auffallen!“ – „Bloß nicht nachfragen!“ – „Zähne zeigen und nicken!“, hallen die zurechtgelegten Strategien im Kopf, um die peinlichen Fragen zu umschiffen, den entsetzten Blicken zu entgehen. Doch das ist nicht immer eine Lösung. Also mache ich das zu meinem Schild, was die größte Angriffsfläche bietet: mein Anderssein. Auch bekannt unter Individualität und meine persönliche Interpretation: Internationalität. Ich habe mich entschlossen einen Weg zu gehen, den andere als mutig bezeichnen. Doch für mich gibt es keine Alternative. Nach einem halben Tag im Büro, beginnt meine Arbeit, wenn ich nachhause komme. Ich bin werdende Autorin. Warum werdende? Weil ich noch viel zu lernen habe und noch mehr lernen will. Ist etwas mutig, wenn es der einzig klare Weg ist, der Sinn macht?



Fantastisches im Alltag



„Was macht man, wenn man Japanologie studiert hat?“

„Warum studiert man so was?“

„Ist ja schon auch brotlose Kunst, wenn man so etwas studiert, oder?“



Geboren in einer Zwischenwelt, aufgewachsen in zwei Kulturen und mit DNA im Blut von Deutschen, Ukrainern und Mongolen reite ich aus, um die Kulturen der Welt zu erkunden und mir zu eigen zu machen. Das Lachen, das mir entgegenspringt, als ich sage, ich sei in Kirgisien geboren, hallt noch heute in meinen Ohren. Nur weil man es mir nicht ansieht, das Asiatische. Und nein, Kirgisien ist keine Stadt, es ist ein kleines Land, eingequetscht zwischen Kasachstan und China.

Weder in Deutschland noch in Kirgisien zuhause, habe ich mir eine andere, völlig fremde Kultur ausgesucht, um von ihr mehr über mich zu lernen: Japan. Ein Land der Wunder und Gegensätze. In meiner Zeit dort habe ich viel gelernt, unter anderem: Nichts ist in Stein gemeißelt! Denkweisen und Traditionen können und müssen manchmal durchbrochen werden, um Neues zu schaffen und Verbesserungen oder Fortschritt überhaupt möglich zu machen. Und das können Menschen besser, die nicht in den entsprechenden Kulturen großgeworden sind. Für sie gibt es keine Doktrinen, die in Fleisch und Blut übergegangen sind. Sie betrachten diese neue, fremde Welt kritisch, vergleichen, analysieren und sehen Verbesserungsmöglichkeiten, wo andere geblendet sind von Regeln und Gewohnheiten. Wirkliche Veränderung kommt selten von innen und werden meist angestoßen von außen.

Offen zu sein für andere Kulturen, ohne sich selbst zu verlieren, ist nicht einfach. Kann nicht einfach sein. Vor allem nicht, wenn man fest in seinem Land verwurzelt ist. Nun, Menschen wie mir fehlen häufig diese Wurzeln und wir fühlen uns dort zuhause, wo unser Koffer sich befindet. Meiner steht gerade gemütlich in einem Vorort von Stuttgart. Davor war er in Düsseldorf, Bonn, Heidelberg, Tokyo, Hakuba, Yokohama. Ich bin viel gereist und habe viel gesehen. Jetzt reist mein Verstand in Welten, die er selbst erschafft und ich versuche andere durch meine Bücher daran teilhaben zu lassen.

Das magische im Alltag und im Clash der Kulturen ist für mich das Verständnis. Doch Verständnis nicht im Sinne von Toleranz. Nein, das wirkliche Verstehen! In Japan wird das Wort kowaii - Angst häufig gebraucht. Ein Satz, den ich mehr als einmal gehört habe und der mich jedes Mal furchtbar erschreckt hat, war: „Ausländer machen mir Angst.“ Angst ist der Samen für Hass. Wenn man Angst vor mir hat, wird man mich bald hassen? Unwohlsein und Neugier verdrehten mir die Zunge und ließen mich frage: „Warum? Warum hast du Angst vor Ausländer?“ Mein Unverständnis war zu einer Mauer geworden, die mich von Menschen abgrenzte, von denen ich geglaubt hatte, sie seinen meine Freunde. Doch mit wenigen Worten öffnete einer dieser Freunde das Tor zu meiner selbsterrichteten Festung und ließ mich einen Horizont sehen, der so viel weiter war, als ich es je für möglich erachtet habe.

„Stell dir vor“, sagte er zu mir und sein Blick schweifte über den nächtlichen Sternenhimmel, „stell dir vor, plötzlich steht ein Alien vor dir. Es ist groß, hat lange Beine und Arme. Seine Haut ist grau und seine Augen unlesbar wie die Nacht. Es schaut dich an, sein Blick bohrt sich in dir fest. Du weißt nicht, was es will. Du verstehst weder seine Sprache, noch weißt du, was es denkt. Kommt es in Freundschaft? Will es erobern? Mit dir reden oder dich entführen und Experimente mit dir machen? Was würdest du denken, was fühlen?“

Und ich verstand. Ich hätte Angst. Denn der erste Impuls, wenn man auf etwas Unbekanntes trifft, ist Angst. Urteilsfrei zu sein ist nicht leicht. Noch schwerer ist es urteilsfrei zu bleiben. Doch es würde die Erde zu einem so viel schöneren Planeten machen, wenn mehr Verständnis in ihr wäre. Und der erste Schritt für Verständnis ist Toleranz.

Seid also tolerant in der Hoffnung darauf, dass euch Verständnis zuteil wird! Denn Verständnis öffnet die Tore zu einer anderen Welt, verleiht eurem Geist Flügel und lässt euch eintauchen in eine Welt voller Abenteuer und Magie.





Autorenhomepage:


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Bisher erschienene Werke:

VON DEN GÖTTERN VERLASSEN

Buch I – ZERELF –


Buch II - BASTARDE –


Buch III – SERAFLYN


Buch IV – DER VERNICHTER

Voraussichtliches Erscheinungsdatum Oktober/ November 2014



DIE VERGESSENEN



Buch I – SKINWALKER




Buch II – KITUNE

Voraussichtliches Erscheinungsdatum Oktober/ November 2014



Buch III – BABA JAGA

Voraussichtliches Erscheinungsdatum Oktober/ November 2014



Wow, der Text ist... Ja, was eigentlich, liebe Sabina, der Text ist einfach nur Wahnsinn, und so sind bestimmt auch deine Bücher! Dein Text regt zum Nachdenken an. 

Mich würden jetzt mal Stimmen interessieren, die schon ein Buch von Sabina gelesen haben. Was sagt ihr zu ihren Büchern?

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