Donnerstag, 27. Februar 2014

Praktikum 1 - Tag 4









Ich glaub ich hab mich noch nie so über einen Donnerstag und das nahende Wochenende gefreut wie heute. Kennt ihr das?

Ich bin heute morgen schon extremst lustlos aufgestanden, habe mir beim Fertigmachen für die Arbeit viel Zeit gelassen. Nebenbei bemerkt haben meine Füße direkt nach dem Aufstehen schon so gebrannt, als wäre ich heute nacht einen Dauerlauf gelaufen. Wie gesagt, ich ließ mir heute beim Anziehen sehr viel Zeit, so dass ich dann Punkt 07:00 Uhr auch erst auf Arbeit ankam. Dort habe ich erst mal festgestellt, dass ich gleich mit 2 neuen Arbeitskolleginnen zu tun habe. War ich begeistert. Viel machen konnte ich dann heute irgendwie auch nicht. Um 08:45 Uhr hatte mich dann eine Bewohnerin angesprochen, wo denn das Frühstück sei. Tja, liebe Stationsschwester, wo isses denn? Bin dann auf jeden Fall in den anderen Wohnbereich, und hab versucht das Frühstück zusammen zu bekommen. Helfen kann einem ja auch niemand, da die Kolleginnen dort ja so sehr mit ihren Arbeiten beschäftigt sind. Ich habe gerade versucht alles zusammen zu bekommen, als die Chefin rein kam und erst mal gemeckert hat. Im großen Bereich (der Dementbereich) sind alle schon mit dem Frühstück fertig, und auf der anderen Seite haben sie noch nicht mal Frühstück bekommen. Auf die Aussage einer Kollegin, dass ich es ja eben mache wurde ich nur angeplafft, dass ich mich beeilen solle. Also ich los, wollte Frühstück rüber bringen, kommt die Stationsschwester, ich solle langsam machen, und warum ich mich so reinstreße. "Hallo?! ICH habe gerade eins auf den Deckel bekommen, von der Chefin, dass unsere Leute noch nichts zu Essen haben." Ich solle darüber lachen meinte die Stationsschwester nur. Ich kann darüber aber nicht lachen, wenn ICH was auf den Deckel bekomme für Dinge für die ich nichts kann. Da werd ich dann wirklich stinkig, wenn ich ungerechter Weise etwas abbekomme. Bin dann erst mal runter eine rauchen. Und als ich wieder rein und auf Station wollte hab ich erst mal gemerkt "Mist" keinen Schlüssel, jetzt hab ich mich ausgesperrt. Zum Glück kam dann eine andere Kollegin raus zum Rauchen. Hab ich dann gleich mal ausgenutzt. Ich sollte mich ja nicht streßen, also hab ich schön langsam gemacht. Beim Mittagessen dann der nächste Knall. Nachdem ich bei einer Bewohnerin Essen eingegeben und gewartet habe ob und was ich noch machen kann, hab ich mich mit 2 anderen Bewohnern unterhalten. Da kam dann die Azubine ausm 3. Lehrjahr an "Der Wagen muss nach dem Essen so schnell wie möglich wieder nach drüben" aber in einem Ton, wo ich dachte "Hallo, mit mir brauchst net so herrisch reden". Ich meinte dann nur, dass ich ja bei Bewohnerin A nicht rein käme ohne Schlüssel, ich also weder schauen kann wie weit sie ist noch das Geschirr holen kann und ich nicht weiß, wie weit die Kollegin bei Bewohnerin B mit der Essenseingabe ist. Dann geht diese Azubine zu Bewohnerin A HOLT das Geschirr stellt es auf die Theke und will den Wagen rüber bringen. Den Teller hatte sie zwar auf den Wagen gestellt, die Schalen für Salat und Nachtisch hatte sie aber stehen lassen. Ich hab sie dann nur gefragt, ob sie den Wagen dann rüber bringen würde (sie hatte ihn schon dafür in der Hand), da kam von ihr nur ne pampige Antwort von wegen, der Essenswagen sei eh schon unten und nun sei es eh schon zuspät. Auf jeden Fall kam keine Minute später die Stationsschwester an, hat mir noch nen Stapel Teller (der vom Frühstück noch über war) in die Hand gedrückt, ich solle das noch rüber bringen. DARAN hat nämlich nicht mal die Azubine gedacht. Und immerhin ist sie im 3. Lehrjahr und ich erst meinen 4. Tag dort. Kurz vor dem Schichtwechsel kam dann noch eine Lieferung Einlagen und Windelhosen. Ich sollte diese im Lager in die Regale räumen. Es steht auch an jedem Regalfach dort was rein gehört. *Ist klar* Es standen an 2-3 Regalböden was da rein gehört. Ich hab nun also so eingeräumt, wie ich dachte das es stimmen könnte. Dann hab ich noch die Böden der Kartons geöffnet, damit man die Kartons zusammenlegen und leichter transportieren kann. Als ich fertig war bin ich rüber in ein Zimmer, in dem die Azubine gerade eine Bewohnerin aufs Klo bringen wollte. Nach dem Klopfen habe ich nur ein entnervtes "Was ist denn jetzt schon wieder!?" gehört. Ich bin neutral geblieben und hab gefragt was ich mit den leeren Kartons machen soll. Ja, ich solle sie stehen lassen, sie wisse auch nicht was damit gemacht wird. (Habe ich schon erwähnt, dass die Azubine im 3. Lehrjahr ist?) Ich also rüber zur Stationsschwester, die dann noch mal gefragt, die wusste das scheinbar auch nicht, keine Ahnung, ich solle die Kartons erst mal stehen lassen. Dann sollte ich zusammen mit einer anderen Praktikantin die Bewohner betreuen (die andere Praktikantin macht gerade eine Ausbildung zur Betreuerin) weil eine Versammlung anberaumt war. Fand ich ja auch net schlecht, dass man dann mal eben 2 Praktikantinnen alleine lässt. Wenn ihr versteht was ich meine.

Also versteht mich nicht falsch, die Arbeit an sich macht mir wirklich Spaß, nur hab ich mich heute nicht wohl gefühlt in DIESEM Heim. Ich finde es schön, dass sich Zeit genommen wird für die Bewohner, und nicht am Fließband gearbeitet wird, aber wenn eben dieses Verhalten sich trotzallem wieder negativ auf die Bewohner auswirkt finde ich es nicht toll. Also wie heute, die Stationsschwester ist mit den Bewohnern wohl nicht rum gekommen, kam dann nicht dazu das Frühstück zu holen, und darunter mussten dann eben andere Bewohner, die schon fertig waren, leiden. Das geht meiner Ansicht nach gar nicht. Vorallem wenn ich sehe, dass wir vor 12 Jahren als Pflegekräfte neben der Pflege noch die Betreuung mit übernehmen mussten (Den Beruf der Betreuungsassistentin gibt es erst seit 3-4 Jahren) und da dann einfach weniger Zeit für die Bewohner war als jetzt wo es eben neben den Pflegekräften noch die Betreuungsassistenten gibt. Im ersten Heim in dem ich 2000 war hatten wir auf Station 38 Bewohner, waren 6 Mitarbeiterinnen auf Station und von diesen 38 Bewohnern MUSSTEN 30 um 08:00 Uhr beim Frühstück sitzen. Das heißt max. 1 Stunde Zeit um diese Bewohner anzuleiten beim Waschen, beim Anziehen helfen und zum Frühstückstisch bringen. Wir hatten aber IMMER alle Bewohner pünktlich draußen, obwohl es dann auch dazu kam, dass wir uns gegenseitig unterstützen mussten, weil es einem Bewohner zum Beispiel mal nicht so gut ging, und eine 2 Kraft benötigt wurde damit der Bewohner besser steht. Alle Bewohner, die Bettlägerich waren wurden dann eben erst nach dem Frühstück gewaschen. Ach ja, und jeden Tag hatte jede Kraft noch 1-2 Bewohner die geduscht/gebadet wurde. Was natürlich länger dauert als nur mit dem Waschlappen drüber zu gehen. Im 2. Heim hatten wir dann bei gleicher Belegschaft 45 Bewohner, das selbe Spiel, alle mussten pünktlich beim Essen draußen sein, und hat auch geklappt. Wie es im Ausbildungsbetrieb Bewohnertechnisch aussah weiß ich nicht mehr, aber auch dort hatten wir nicht viel Zeit bzw nicht wenig Bewohner noch vor dem Frühstück raus zu setzten. Und das alles ohne Betreuungsassistenz und obwohl wir dann auch noch beim Essenmachen unterstützen mussten (z. B. im 1. Heim). Hier werden die Bewohner dann halt auch erst um 08:30 Uhr an den Frühstückstisch gesetzt. Ich empfinde das für mich als streßiger, als wenn ich alle zu einer gewissen Uhrzeit raus ausm Bett haben muss. Im aktuellen Heim habe ich das Gefühl, kaum ist der letzte Bewohner gewaschen wird der erste schon wieder aufs Klo gesetzt um dann über Mittag im Bett zu verschwinden.

Kurz: Die Arbeit ansich macht mir Spaß, und ich freue mich auch auf die nächsten 2 Wochen in den nächsten 2 Heimen. Allerdings habe ich nach dem heutigen Tag nicht wirklich das Gefühl, dass ich in DIESEM Heim meine Ausbildung starten würde/möchte. Und mal ganz ehrlich, wenn man sich mit Bewohnern unterhält, die dann fragen wie lang man noch da ist, und bekommt dann auf den Satz "Morgen ist mein letzter Tag" zu hören "schade".. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass die Schwestern dort nur Dienst nach Vorschrift machen. Ja, klar, ich als Praktikantin habe eher die Zeit mich hinzusetzten mit den Bewohnern zu reden als eine Festangestellte. Aber selbst in den 3 anderen Heimen habe ich mir die Zeit für die Bewohner genommen. Und in diesen Heimen hatte ich exakt die selbe Arbeit wie eine Pflegehelferin, die fest angestellt ist!


Kommentare:

  1. Oh man ... Was ein Tag. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, da ich seit 1 1/2 Jahren auch in der Altenpflege tätig bin und solche Eskapaden kenne. zum Glück aber hauptsächlich daher, wenn ich auf anderen Wohnbereichen einspringe. Auf 'meinem' Wohnbereich ist es zum Glück viel angenehmer. Da weiß noch so ziemlich jeder, was Zusammenarbeit bedeutet und die Bewohner und ihre Bedürfnisse stehen als oberste Priorität.
    Mit unfähigen, aber vollkommen von sich eingenommenen Azubinen habe ich auch schon so meine Erfahrungen machen 'dürfen'. Da freut man sich dann immer, wenn es in die Schulphase geht ;) Weniger Personal, aber es läuft flüssiger ...
    Praktikanten so alleine stehen zu lassen finde ich übrigens ganz schrecklich und bemühe mich immer bei uns für diese immer eine machbare Aufgabe parat zu haben, damit sie sich auch nicht überflüssig fühlen.
    Auf jeden Fall drücke ich dir ganz fest die Daumen, dass die beiden nächsten Praktika besser werden :) Und nun bring erstmal den Freitag hinter dich und genieße dann dein Wochenende :)
    LG,
    Steffi

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    1. Ich find es nur interessant, dass die Bewohnerin, die mich wegen des Frühstücks angesprochen hat gemeint hat "Wenn Schwester X allein da ist dann läuft alles so wie es soll". Ich mein, ich freu mich, dass ich nicht nur mitlaufen muss, sondern auch selber machen darf. Aber als Praktikantin steht man eben ganz unten in der Nahrungskette und sollte nicht für Fehler der Examinierten her halten müssen. *find*

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  2. Da scheint in dem Heim wohl auch alles ein bisschen Chaotisch zu sein. Und der Umgangston untereinander ist, wie du geschrieben hast, auch nicht so der Hammer. Aber Kopf hoch. Heute ist schon Freitag... und nächste Woche kannst du dir ein anderes Heim ansehen. :-)

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    1. Es ist komisch, aber mit der bisherigen Stationsschwester und den Helfern die bisher in diesem Bereich waren hab ich keine Probleme gehabt. Aber diese beiden, da kam ich überhaupt nicht klar. Und irgendwie "brauch" ich den Streß in dem Beruf in der Früh. Ich kenn es einfach nicht anders, als dass es in der Frühschicht streßig ist, und man dann eben in der Spätschicht die Zeit für die Bewohner hat. Ich pack es generell nicht, wenn mich jemand anblafft nur weil ein Dritter Mist gemacht hat. Oh ja, Freitag. *Freu*

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